Aus der Praxis · Prüfung
Wie prüfen wir die Estrichdicke?
Die wichtigste Zahl vor jedem Angebot ist keine Preiszahl, sondern eine Millimeterzahl: die Dicke des Estrichs und der Querschnitt, der nach dem Fräsen übrig bleibt. So ermitteln wir sie.
Warum die Dicke allein nicht reicht
Eine Fräsnut nimmt dem Estrich Querschnitt. Ob das tragbar ist, hängt nicht von einer Zahl ab, sondern von mehreren: Estrichart, Gesamtdicke, geplante Frästiefe, Konstruktion (schwimmend, auf Trennlage, im Verbund), Festigkeit, vorhandene Schäden und Leitungsverläufe. Deshalb reicht eine Preisangabe nach Foto nicht — wir müssen den Aufbau sehen.
Schritt 1: Bestandsaufnahme
Beim Aufmaß fragen wir nach Baujahr, Umbauten und Bauabschnitten. Gerade Anbauten in Etappen haben oft je Abschnitt einen anderen Boden. Wo Pläne fehlen, klopfen wir Flächen ab (Hohlstellen) und messen Feuchte.
Schritt 2: Der Prüfkern
An einer mit Ihnen abgestimmten Stelle — meist dort, wo später ohnehin ein Belag entfernt wird — entnehmen wir einen kleinen Bohrkern. Er zeigt den echten Aufbau: Belag und Kleberreste, Estrichart und -dicke, Trennlage, Dämmung, Decke. Die Öffnung wird anschließend verschlossen; eine leichte optische Spur kann bleiben, das besprechen wir vorher.
Schritt 3: Rechnen statt schätzen
Aus Gesamtdicke und geplanter Frästiefe ergibt sich der verbleibende Querschnitt unter und neben der Nut. Als projektbezogener Richtwert gilt bei uns: häufig ab etwa 50 mm bei Zementestrich bzw. etwa 40 mm bei Calciumsulfatestrich. Das ist keine Norm und keine Freigabe — die Entscheidung fällt anhand des konkreten Aufbaus und der Vorgaben des eingesetzten Rohr- und Vergusssystems.
Was wir nicht tun
Wir fräsen nicht „ein bisschen flacher", wenn die Dicke knapp ist, und wir verlassen uns nicht auf Baujahrs-Erfahrungswerte. Bei vielen Gebäuden bestimmter Baujahre treffen wir auf interessante Aufbauten — ob die Bedingungen vorliegen, zeigt ausschließlich die Prüfung des konkreten Gebäudes. Passt es nicht, sagen wir das: Wann wir vom Fräsen abraten.
Praxisaussage: Ein Prüfkern kostet Sie nichts und eine halbe Stunde. Er ersetzt Vermutungen durch Millimeter.
Fachliche Grundlagen
- DIN 18560 „Estriche im Bauwesen" (Estricharten, Nenndicken, Anforderungen)
- VDI 2035 (Vermeidung von Schäden in Warmwasser-Heizungsanlagen)
- Verarbeitungsrichtlinien des eingesetzten Rohr- und Vergusssystems
- Eigene Praxis aus Jandeck-Fräsprojekten seit 2023


